Der Märchendoktor

Joachim Huber
Since 12/2024 94 Episoden
Wieso macht ein Notarzt nun einen Podcast mit Märchen?

Ganz einfach: schon unsere Kinder waren begeisterte Zuhörer und die oft auch selbst erfundenen Märchen waren so beliebt, dass ich jeden Abend an ihren Bettchen saß und erzählte.

Die Kunst des Geschichtenerzählens habe ich auch auf meinen Reisen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern genutzt, um Freunde zu gewinnen, Menschen zu trösten und zu erfreuen. 

Märchen als Therapie machen Alt und Jung mutig und gesund!

Durch Märchen werden bei den Zuhörern individuelle Fähigkeiten gestärkt: Zuhören, Empathie und emotionales Erleben, psychische Widerstandskraft, Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauer und Teamgeist, Entdeckerfreude und Fantasie verbessert.

Mir geht es auch darum, bei meinen Zuhörern mit Hilfe von Märchen die eigenen bewussten oder unbewussten inneren Stärken und Schwächen zu erkennen und die „Schwächen“ gezielt zu behandeln.

Märchen sind (das wusste schon Siegmund Freud) ein Spiegelbild unserer Seele - ähnlich wie Träume - Tore zum Unbewussten. Sie erlauben uns auf der symbolischen Ebene innere Wahrheiten zu erkennen und zu erleben.

Märchen, die wir lieben, sagen etwas über unsere Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse aus; sie offenbaren uns, mit welchen menschlichen Haltungen wir uns identifizieren, sie weisen uns aber auch darauf hin, welche Probleme wir noch angehen und welche Haltungen wir noch entwickeln müssen.

Ich wünsche meinen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass sie staunen, sich ein bisserl gruseln aber, ganz wichtig, Mut bekommen und nicht aufgeben, auch wenn es im echten Leben manchmal sehr schwierig wird.

Märchen aus der Schweiz

06.09.2026 18 min

«Die drei Raben» ist ein bekanntes Volksmärchen, das in einer Schweizer Fassung sowie in der Urfassung der Brüder Grimm (1812) überliefert ist. 
Eine Mutter verflucht ihre drei Söhne im Zorn (oder in einer anderen Version der Vater), weil diese sonntags während der Kirche Karten gespielt haben. Die Söhne werden sofort in kohlschwarze Raben verwandelt. Das treue Schwesterchen vermisst seine Brüder. 
Es macht sich ganz allein auf eine lange, beschwerliche Reise, um sie zu erlösen. Unterwegs trifft das Mädchen auf eine gute Fee, die ihm den Weg zu den verzauberten Brüdern zeigt.

«Goldig Betheli und Harzebabi» ist ebenfalls ein berühmte Schweizer Volksmärchen - die traditionelle Schweizer Variante zum Märchen „Frau Holle“ der Gebrüder Grimm.
Das Märchen folgt dem klassischen Motiv der ungleichen Schwestern: das Betheli (Elisabeth) ist das fleißige, brave, aber vernachlässigte Stiefkind, das in Lumpen gehen und ununterbrochen spinnen muss.

Das Babi (Barbara) ist das leibliche, faule und verwöhnte Kind der bösen Stiefmutter. Als Betheli seine Spindel (sein Wirtli) verliert, muss es in einen tiefen Brunnen steigen. Dort gelangt es in eine magische Welt. Weil das Mädchen zu den sprechenden Hunden und wunderbaren Kindern auf seinem Weg freundlich und bescheiden ist, wird es reich belohnt – es kehrt übersät mit reinem Gold zurück und wird fortan nur noch das „goldig Betheli“ genannt.
Das Harzebabi: als die neidische Stiefmutter ihre faule Tochter Babi hinterherschickt, verhält sich diese den Wesen gegenüber hochmütig und egoistisch. Zur Strafe wird sie komplett mit klebrigem Tannenharz überzogen (daher „Harzebabi“), in anderen Versionen fällt ihr schlicht ein saftiger Kuhfladen auf den Kopf.

Quelle: Otto Sutermeister, Kinder- und Hausmärchen aus der Schweiz. Aarau 1873. Nr. 6 und Nr.2.
(Willisau, Kt. Luzern). 

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