Wieso macht ein Notarzt nun einen Podcast mit Märchen?
Ganz einfach: schon unsere Kinder waren begeisterte Zuhörer und die oft auch selbst erfundenen Märchen waren so beliebt, dass ich jeden Abend an ihren Bettchen saß und erzählte.
Die Kunst des Geschichtenerzählens habe ich auch auf meinen Reisen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern genutzt, um Freunde zu gewinnen, Menschen zu trösten und zu erfreuen.
Märchen als Therapie machen Alt und Jung mutig und gesund!
Durch Märchen werden bei den Zuhörern individuelle Fähigkeiten gestärkt: Zuhören, Empathie und emotionales Erleben, psychische Widerstandskraft, Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauer und Teamgeist, Entdeckerfreude und Fantasie verbessert.
Mir geht es auch darum, bei meinen Zuhörern mit Hilfe von Märchen die eigenen bewussten oder unbewussten inneren Stärken und Schwächen zu erkennen und die „Schwächen“ gezielt zu behandeln.
Märchen sind (das wusste schon Siegmund Freud) ein Spiegelbild unserer Seele - ähnlich wie Träume - Tore zum Unbewussten. Sie erlauben uns auf der symbolischen Ebene innere Wahrheiten zu erkennen und zu erleben.
Märchen, die wir lieben, sagen etwas über unsere Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse aus; sie offenbaren uns, mit welchen menschlichen Haltungen wir uns identifizieren, sie weisen uns aber auch darauf hin, welche Probleme wir noch angehen und welche Haltungen wir noch entwickeln müssen.
Ich wünsche meinen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass sie staunen, sich ein bisserl gruseln aber, ganz wichtig, Mut bekommen und nicht aufgeben, auch wenn es im echten Leben manchmal sehr schwierig wird.
Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt
20.09.2026 20 min
Ab 1901 entstand eine Blütezeit der deutsch-jüdischen Kinderbücher, mit wunderbaren Zeichnungen ausgestattet vermitteln diese Bücher dem jüdischen Kind Geschichten, die es nachvollziehen kann.
Einige versuchten, die Schwierigkeiten, Herausforderungen, aber auch Freuden, mit denen ein jüdisches Kind konfrontiert war, zu thematisieren.
Heute erzähle ich Euch eine Geschichte aus dem Buch von Siegfried Abeles
„Tams Reise durch die jüdische Märchenwelt.“
Über den österreichischen Kinderbuchautor Siegfried Abeles (1884 – 1937) ist nicht viel bekannt. Er wuchs als Kind in Nikolsburg (heute: Mikulow, Tschechische Republik) auf
Er war Pädagoge, Primaschullehrer, arbeitete während des Ersten Weltkriegs für die jüdische Kriegsblindenfürsorge und beschäftigte sich mit der Blindenschrift für die jiddische und hebräische Sprache.
Seine Leidenschaft galt der Arbeit mit den Kindern der jüdischen Gemeinde Wiens, die er beim Lernen unterstützte und mit ihren jüdischen Wurzeln verband.
Mit diesem und zwei weiteren Büchern trug er dazu bei, jüdische Kindermärchen als literarische Gattung zu etablieren.
Er war mit Sabine Abeles verheiratet, sein 1923 geborener Sohn Norbert wurde 1938 mit einem Kindertransport nach England gerettet.
Sabine Abeles wurde 1943 nach Minsk deportiert und Opfer des Holocaust.
Abeles starb 1937 im Alter von nur 53 Jahren, nach Angaben seines Sohnes Norbert beging er im Juni 1937 aus Geldmangel mit einem Sprung in den Donaukanal Selbstmord
„Wir gedenken des Autors Siegfried Abeles, dessen Worte und Gedanken ein bleibendes Vermächtnis für uns sind. Zichrono livracha – sein Andenken sei uns zum Segen.“
Das wunderbare Büchlein enthält 25 Kindermärchen nach jüdisch-volkstümlichen Motiven und von Victor Kosak illustriert
Herausgeber: Gans Verlag Berlin 2022.
151 Seiten, kartoniert, Paperback, Euro 20,60.-
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