Wieso macht ein Notarzt nun einen Podcast mit Märchen?
Ganz einfach: schon unsere Kinder waren begeisterte Zuhörer und die oft auch selbst erfundenen Märchen waren so beliebt, dass ich jeden Abend an ihren Bettchen saß und erzählte.
Die Kunst des Geschichtenerzählens habe ich auch auf meinen Reisen in afrikanischen, arabischen und asiatischen Ländern genutzt, um Freunde zu gewinnen, Menschen zu trösten und zu erfreuen.
Märchen als Therapie machen Alt und Jung mutig und gesund!
Durch Märchen werden bei den Zuhörern individuelle Fähigkeiten gestärkt: Zuhören, Empathie und emotionales Erleben, psychische Widerstandskraft, Persönlichkeitsentwicklung, Ausdauer und Teamgeist, Entdeckerfreude und Fantasie verbessert.
Mir geht es auch darum, bei meinen Zuhörern mit Hilfe von Märchen die eigenen bewussten oder unbewussten inneren Stärken und Schwächen zu erkennen und die „Schwächen“ gezielt zu behandeln.
Märchen sind (das wusste schon Siegmund Freud) ein Spiegelbild unserer Seele - ähnlich wie Träume - Tore zum Unbewussten. Sie erlauben uns auf der symbolischen Ebene innere Wahrheiten zu erkennen und zu erleben.
Märchen, die wir lieben, sagen etwas über unsere Sehnsüchte, Wünsche und Bedürfnisse aus; sie offenbaren uns, mit welchen menschlichen Haltungen wir uns identifizieren, sie weisen uns aber auch darauf hin, welche Probleme wir noch angehen und welche Haltungen wir noch entwickeln müssen.
Ich wünsche meinen Zuhörerinnen und Zuhörern, dass sie staunen, sich ein bisserl gruseln aber, ganz wichtig, Mut bekommen und nicht aufgeben, auch wenn es im echten Leben manchmal sehr schwierig wird.
Der Holzfäller und die Schicksalsfrau
04.10.2026 12 min
Das zypriotische Märchen gehört zum internationalen Aarne-Thompson-Uther-Index ATU 563-(einer wissenschaftlichen Klassifikation von Volksmärchen) „Die wunderbaren Knaben“ bzw. „Die Geschenke des kleinen Volkes“.
In der bekanntesten deutschen Fassung der Brüder Grimm heißt diese Erzählung „Tischchen deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack“.
Die obige Version wurde für Zypern lokalisiert: das klassische „Tischlein“ wurde durch eine typisch zyprische Tonschale ersetzt, die anstelle von deutschem Braten traditionelle Spezialitäten wie Kleftiko und Halloumi zaubert.
Der „Knüppel aus dem Sack“ wurde hier zu einem magischen Windstoß aus einer Glasflasche, und anstelle von Feen oder Zwergen tritt eine Moira (eine Schicksalsfrau der griechisch-zyprischen Mythologie) auf.
Ein einheitlicher, fester Titel für diese spezifisch zyprische Variante existiert in gedruckten Märchensammlungen selten.
Oft wird sie schlicht unter Titeln wie „Die Geschenke der Moira“ oder „Der Holzfäller und die Schicksalsfrau“ geführt.
Da der Märchentyp ATU 563 auf der ganzen Welt verbreitet ist, gibt es faszinierende Adaptionen aus verschiedenen Kulturkreisen.
Eine besonders schöne und direkte asiatische Variante ist das chinesische Märchen „Der magische Topf“ (oft auch als „Der unerschöpfliche Ostertopf“ oder „Das Geschenk des Drachenkönigs“ bekannt).
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