Der Kuhhirte und die Weberin (Niu Lang Zhi Nu Nu)
25.10.2026 12 min
Zusammenfassung & Show Notes
Die chinesische Mythologie reicht in mündlicher Überlieferung bis in die Zeit der Shang-Dynastie (ca. 1700 v. Chr. - 1100 v. Chr.) zurück.
In schriftlicher Form gibt es sie jedoch erst in der klassischen Zeit Chinas, zur Zeit des Konfuzius.
Die Ursprünge der chinesischen Mythologie werden mit Schamanismus und Ahnenkult in Verbindung gebracht.
Zudem sind zahlreiche Mythen, die bis an die Anfänge der chinesischen Kultur weisen, aus dem Daoismus überliefert.
Die zahlreichen Märchen, in denen Geister, Füchse, Drachen, unsterbliche Weise, arme Bauern und gerechte Beamte eine symbolisch dichte Welt bevölkern verbinden volkstümliche Anschaulichkeit mit Schamanismus und Ahnenkult.
Im Vergleich zu europäischen Märchen finden sich taoistische, buddhistische und konfuzianische Motive sowie Hinweise auf Moral, Schicksal und Wandlung.
Viele chinesische Märchen wurden von Richard Wilhelm (1873–1930) einem bekannten deutscher Sinologe (China-Forscher gesammelt.
Er war Theologe, Missionar, Übersetzer und einer der bedeutendsten deutschen Vermittler chinesischer Geistesgeschichte.
Von 1899 bis 1924 lebte er als Pfarrer und Missionar in Qingdao (China). Er lernte die chinesische Kultur und Sprache tiefgreifend kennen.
Sein langjähriger Aufenthalt in China brachte ihn in engen Kontakt mit Gelehrten, Erzählern und deren klassische Texttraditionen.
Seine berühmten Übersetzungen, etwa des „I Ging“, zeigen dieselbe Absicht wie diese Märchen: nicht bloß Exotik zu präsentieren, sondern Denkformen, religiöse Vorstellungen und ethische Ordnungen einer Kultur verständlich zu machen.
Das „I Ging‹,“ auch ›Buch der Wandlungen‹ genannt, ist das älteste Buch Chinas. Man kann es als Orakel befragen, doch sagt es keine eindeutige Zukunft voraus. Vielmehr spricht es in Gleichnissen, die offen sind für persönliche Deutungen und die in ihrer elementaren Bildlichkeit zu einem intuitiven Verständnis der Welt verhelfen können.